Wie fliegt der 304 TS?

Ein erster Erfahrungsbericht eines Testflugs durch Joerg Spichtig mit
Fliegerkamerad Urs Grubenmann aus der Schweiz Mitte August 2018:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hallo Gustav,
wir sind also zurück vom Probefliegen mit den Twin Shark. Mal ein erstes Fazit:
Jaroslav liess uns nach Luftraum- und Flugplatz-Briefing und Einführung ins Flugzeug einfach so zu zweit fliegen gehen. Urs im hintern Sitz, ich vorne… Äusserst grosszügig und vertrauensvoll! Wir haben am Sonntag einen tollen Segelflugtag mit guter Thermik und hoher Basis erwischt. So konnten wir rund 4,5h intensiv fliegen.

Podhorany ist ein ziemlich unebener und ruppiger Platz und ein bisschen speziell so auf der Hangkuppe. Der Motor war kurz zuvor ausgetauscht worden, da das erste TW zur 50h Kontrolle musste. Das neue TW war schlecht eingestellt, das Anlassen problematisch. Allerdings – meine ich – hatte Jaroslav zu viel eingespritzt und den Motor ersäuft (wir hatten am Abend nochmals selbst probiert, und da lief er mit wenig Gas und Primer problemlos an).

Der Start auf der Buckelpiste mit anfangs Steigung und dann Gefälle war ein bisschen schwierig bis wir dann endlich in der Luft waren. Bis 150m über Platz sind wir mit 105km/h gestiegen (Empfehlung Jaroslav) danach mit 95km/h. Der Motor lief ohne Probleme mit ca. 6400U/min, Steigen ca. 2.0 – 2.5m/s. Bei ca. 31°C Aussentemperatur ging die CHT nie über 78°C, Kühlung scheint also sehr gut zu funktionieren. Nach dem Steigen ca. 1 Minute Leerlauf bis CHT unter 50°C, dann Abstellen und Propeller einfahren, alles problemlos.

Ich fühlte mich nach kurzer Zeit sehr wohl im Flieger. Die Wendigkeit und Agilität ist frappant. Kurvenwechsel 45° links zu 45° rechts gehen in allen Klappenstellungen selbst bei Geschwindigkeiten um 90km/h (oder sogar etwas drunter) extrem fix. Die Abstimmung des Seitenruders ist schlichtweg perfekt, wenig SR Einsatz, absolut easy schiebefrei zu manövrieren. Steigen in der Thermik mit Klappe +2 und 90-95km/h bei 45° Bank ist problemlos selbst bei Flächenbelastung von ca. 46kg/m2. Selbst zu langsames Fliegen im Kreis (probiert bis runter zu 80km/h) nimmt der TS einem nicht übel und er steigt immer noch ordentlich. Trotz der Agilität fliegt der TS ruhig, keineswegs irgendwie nervös. Der Flügel ist angenehm steif und zeigt Thermik sehr gut an. In den meisten Fällen haben wir die Kreisrichtung von Anfang weg richtig getroffen.

Das Stallverhalten ist sehr gutmütig. Wir haben den Knüppel in allen Klappenstellungen bis an den Anschlag gezogen. Im Geradeausflug schüttelt er und taumelt um die Längsachse ist aber mit den QR immer kontrollierbar. Erst bei +2 Stellung, Knüppel voll gezogen und heftigem Tritt ins SR ist er weggekippt. Nachlassen des HR hat aber sofort zum Retablieren der Fluglage geführt. Im 30° Kreis konnten wir den TS mit aller Gewalt nicht zum Abkippen bewegen. Dabei ist erwähnen, dass wir eher hintere Schwerpunktlage flogen.

Die Querruderkräfte sind angenehm niedrig, SR Kräfte ebenfalls. Die HR-Kräfte sind etwas schwer zu beurteilen, da wir im Schnellflug nicht genug trimmen konnten und jeweils stark gegen die Trimmfeder drücken mussten. Im Steigen konnten wir dagegen gut trimmen. Die Bremsklappen sind sehr effektiv und angenehm in der Benutzung. Nach dem Entriegeln öffnen diese ca. 20% des Fahrweges und bleiben von da weg in jeder Position absolut neutral ohne Handkräfte stehen. Sinkrate bei 100km/h, BK voll ausgefahren geschätzt ca. 7m/s.

Die Sicht in beiden Sitzen ist sehr gut dank der einteiligen Haube und der niedrigen Bordwand.

Ich habe in den 30 Jahren meines Segelfliegerlebens ca. 20 verschiedene Typen geflogen. Der TS ist aber definitiv der absolute Hammer! Und da waren doch einige wirklich tolle Flieger dabei (GF304, ASW-27, ASH-26E, Duo Discus, Arcus, ASG-29).

Der TS ist natürlich noch ein Prototyp und dementsprechend gibt’s auch noch Verbesserungs-Potential. Das Cockpit ist aus ergonomischer Sicht und Punkto Ästhetik noch nicht befriedigend. Die grössten Kritik-Punkte meinerseits sind:

  • I-Panel vorne viel zu gross (und old-fashioned). Es nimmt seitlich und oben Sicht weg. Ausserdem muss dieses klappbar sein (wie bei DD und ARCUS)
  • Der Klappenhebel ist in den hinteren Stellungen (Null bis L) nur mit Handverrenkung bedienbar. Der Hebel sollte nach vorne rücken und der Weg verkürzt werden.
  • Die Armauflage im vorderen Sitz ist zu hoch im hinteren Bereich (ist allerdings durch die hintern Pedale bedingt).
  • Der vorder Knüppel ist zu kurz (lässt sich aber gemäss Jaroslav problemlos ändern).
  • Der Trimmweg der elektrischen Trimmung ist m.E. zu kurz. Wir konnten den Schnellflug über 160km/h nicht trimmen (Jaroslav meinte das sei wegen der nicht optimalen Schwerpunktlage).
  • Die HR-Trimmfedern sind sehr steif. Wenn technisch machbar, sollten die weicher sein.
  • I-Panel hinten ist zu klein und unästhetisch. Da sollte mind. Platz für drei 57mm Instrumente sein zusammen mit LX9000/9070.

Im Gespräch mit Jaroslav haben wir erfahren, dass bei „S/N 2“ viele meiner Kritikpunkte bereits geändert wurden. Ich denke also, dass auch das Cockpit am Schluss eine tolle Sache wird. Ziel von Jaroslav ist es, die Funktionalität und die Ästhetik des SHARK Cockpits zu toppen… und das ist ja eine hohe Messlatte!

Wir haben im Firmenrundgang auch Einblick in die angewandte Technologie gekriegt. Da setzt HPH an vielen Stellen neue Massstäbe. Wirklich toll!

Herzliche Grüsse

Joerg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jaroslav beim ersten Flug 2017

Hier noch ein anderer Bericht – ebenso im August 2018 abgefasst:

Pilot Report 304 TS, Reisinger D